Kultur und Veranstaltungen in Spanien

Stierkampf

Stierkampf (spanisch toreo, corrida de toros oder tauromaquia vom griechischen; portugiesisch tourada, corrida de touros oder tauromaquia) ist ein Ritual, dessen Inhalt der Kampf eines Menschen gegen einen Stier ist. Die bekanntesten Stierkämpfe finden in Spanien statt, aber auch in Portugal, Südfrankreich sowie in ehemaligen spanischen Kolonien und spanisch beeinflussten Regionen in Lateinamerika. Eine nichttödliche Version wird als Erbe portugiesischer Vergangenheit auf der tansanischen Insel Pemba gepflegt. Je nach Region wird nach unterschiedlichen Regeln gekämpft. Stierkämpfe sind von einer ethischen Position aus und unter Aspekten des Tierschutzes umstritten.

Wir distanzieren uns von dem klassischem Stierkampf. Jedoch gehört diese Tratition noch immer in weiten Teilen von Spanien dazu. In Katalonien wurde der Stierkampf nach einer Volksabstimmung verboten.

Im spanischen Stierkampf, der corrida (deutsch: Rennen), wird der Stierkämpfer Torero (von spanisch toro‚ Stier) genannt. Der Stierkampf findet in einer Stierkampfarena (Plaza de Toros) statt, die meist ausschließlich diesem Zweck dient. Das wesentliche Element des Stierkampfes ist die Form der Durchführung, das Ritual, das mit ihm einhergeht. Meist treten bei einer Corrida drei Matadore und sechs Stiere auf. Ein Kampf dauert etwa 20 Minuten. Pro Jahr finden in Spanien rund 2000 Stierkampfveran- staltungen statt. Denkbar ist, dass die Tierhetzen (venationes) der römischen Antike als Vorbild dienten. Im Mittelalter war die Corrida de Toros ein Ritterspiel, bei dem der "Stierkämpfer" mit dem Pferd gegen den Stier antrat. Der früheste literarische Beleg des Stierkampfes findet sich in dem nur noch als Prosatext überlieferten Epos der Siete Infantes de Lara. Reste der mittelalterlichen Corrida haben sich noch im Rejoneo erhalten. Die heutige Art des Stierkampfes wurde im frühen 18. Jahrhundert durch Francisco Romero entwickelt, die erste Stierkampfarena wurde 1749 gebaut. Unter König Karl IV. war der Stierkampf verboten, sein Nachfolger Ferdinand VII. erlaubte ihn jedoch wieder. 1796 wurden in der Schrift Tauromaquia des Matadors José Delgado erstmals die Regeln beschrieben, nach denen der spanische Stierkampf im Wesentlichen bis heute durchgeführt wird. 1830 gründete Pedro Romero, ein Enkel Francisco Romeros, in Sevilla die erste Stierkampfschule.


Castellers

Castells (Katalanisch für ‚Burgen‘) sind Menschenpyramiden, die in Katalonien traditionell bei zahlreichen Festen errichtet werden. Die Castellers genannten Teilnehmer steigen dabei jeweils auf die Schultern ihrer Unterleute bis eine bestimmte Höhe erreicht ist.

Die Castellers sind in Gruppen organisiert, die Colles Castelleres genannt werden. Der Aufbau von Castells erfolgt zu bestimmten Anlässen, zu Jahrestagen oder zu Patronatsfesten (Festa Major). Bei einer solchen Veranstaltung, einer Diada Castellera, versuchen meist mehrere Colles Castelleres, sich im Aufbau möglichst eindrucksvoller Menschentürme zu übertrumpfen.

Der Ursprung dieser Tradition liegt im 18. Jahrhundert in der Stadt Valls und hat sich zunächst im Camp de Tarragona entwickelt. Im 20. Jahrhundert, besonders in den 1980er Jahren, breiteten sich die Castells in ganz Katalonien aus, vereinzelt auch darüber hinaus. Heute sind die Castells wie die Sardana wichtige Symbole für die eigenständige Kultur und für die Zusammengehörigkeit Kataloniens. Seit dem 16. November 2010 gehört es zum Immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.

Der Aufbau von Castells ist in erster Linie ein Fest, das von allen Beteiligten gemeinsam gefeiert werden soll. Daher werden nicht immer die höchsten Schwierigkeitsgrade errichtet, die der jeweiligen Colla möglich wären, und eine Diada Castellera hat keinen Gewinner oder eine Siegerehrung. Dennoch folgten die Beteiligten immer auch einem Wettbewerbsgedanken. Schon vor Festlegung eines Ranking gab es eine Vorstellung darüber, welche Castells mehr oder weniger Bedeutung gegenüber anderen haben. Trotz unterschiedlicher Stärken und Schwächen der verschiedenen Collas lassen sich einige allgemeine Kriterien zur Festlegung des Schwierigkeitsgrades finden:

Die Höhe: Tendenziell ist ein höheres Castell schwieriger, weil es mehr Kraft und Stabilität erfordert. Ein Castell mit neun Ebenen ist daher bedeutender als eines mit acht. Höherwertiger ist das Castell mit der höheren Anzahl von Ebenen ohne zusätzliche Unterstützung durch Folra oder Manilles.

Die Struktur: Die komplexen Castells sind schwieriger als jene mit einfacher Struktur. Für letztere gilt, dass ein Castell umso instabiler ist, je weniger Castellers es pro Ebene besitzt. Die aufsteigende Reihenfolge ist demnach: Vierer-Turm, Dreier-Turm, Zweier-Turm, Pfeiler (Pilar). Der aufsteigende Schwierigkeitsgrad für die komplexen Castells ist: Fünfer-Turm, Vierer-Turm mit Pfeiler (Quatre amb l’Agulla), Neuner-Turm.

Die Technik: Die Castells werden schwieriger, wenn die zusätzlichen Unterstützungsebenen Folre oder Manilles entfallen. Ein 2de8f Dos de Vuit amb Folre ist sehr viel schwieriger, wenn er ohne Folre errichtet wird. Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich auch, wenn ein Castell „von unten“ (per sota) aufgebaut wird.

Die Geschichte und die Statistik: Je länger ein Castell vergeblich versucht wurde, desto schwieriger ist es offensichtlich. So gelang erst 1998 nach vielen Versuchen der erste 4de9 Quatre de Nou des Jahrhunderts. Auch gilt ein Castell als schwierig, wenn dessen Aufbau nur selten gelingt. Der 9de8 Nou de Vuit zum Beispiel wurde erst zweimal errichtet.


Pamplona Stierrennen

Encierro (Stierlauf) der encierro ist das Eintreiben der sechs Kampfstiere in die Stierkampfarena. Hierbei handelt es sich um eine Strecke von 825 m, die hauptsächlich durch die Altstadt Casco Viejo von Pamplona führt. Ein Stier kann zwischen 550 und 700 kg wiegen und erreicht während des Eintreibens eine Geschwindigkeit von ca. 25 km/h. Begleitet werden die Kampfstiere von einigen Ochsen, die beruhigend auf die Stiere wirken und eine Leitfunktion während des Eintreibens ausführen.

Encierro in Pamplona der encierro (Einschluss, weil die Straßen mit Holzbarrieren abgeriegelt wurden) findet täglich vom 7. bis zum 14. Juli um acht Uhr morgens statt und dauert bei komplikationsfreiem Ablauf ca. drei Minuten. Sobald die Startrakete Punkt acht Uhr abgeschossen wird, begeben sich die sechs Stiere mit einigen Ochsen (mit Kuhglocken) auf die Strecke und rennen in Richtung Plaza de Toros, die Stierkampfarena von Pamplona. Der Kick der Teilnehmer ist es, darunter auch regelmäßig ausländische Touristen, eine kurze Wegstrecke möglichst neben einem Stier herzulaufen. Auf Grund der hohen Geschwindigkeit ist dies jedoch nur für einige Meter möglich.

Traditionell trägt jeder Läufer (mozo) ein weißes Hemd und eine weiße, enganliegende Hose sowie ein rotes Halstuch (pañuelo rojo) und eine rote Schärpe (faja).

Einige Minuten vor Beginn des Laufes singen einige Läufer der so genannten „Peñas“ je dreimal vor der Statue des Patrons San Fermín in der Cuesta de Santo Domingo den Text A San Fermín pedimos, por ser nuestro patrón, nos guíe en el encierro, dándonos su bendición. ¡Viva San Fermín! Gora San Fermin! ("Wir bitten Dich San Fermín, der Du unser Beschützer bist, uns während des Laufes zu leiten und uns Deinen Segen zu spenden. Es lebe San Fermín!"). Seit 2010 wird der Text bei jedem der drei Gesänge nach Spanisch auch in Baskisch gesungen.

Die gefährlichsten Teile sind die Cuesta de Santo Domingo und die Curva de Mercaderes. In dieser Enge passieren für gewöhnlich die meisten Unfälle. Mit jährlich steigender Teilnehmerzahl steigt auch die Verletzungsgefahr, da sich immer mehr Menschen auf der Strecke und den Fluchtwegen tummeln. Seit 1900 starben 15 Personen, die an der Mutprobe "Encierro" teilnahmen. Der Lauf endet in der Stierkampfarena Plaza de Toros de Pamplona. Während die Stiere in die Stallungen getrieben werden, bleiben die Läufer in der Arena. Nacheinander werden sechs Jungstiere in die Arena gelassen, die – zur Unterhaltung des Publikums – die Läufer auf ihre abgebundenen Hörner nehmen. Nach dem Eintreiben haben die sechs ausgewachsenen Kampfstiere genau zehn Stunden Zeit, um sich am selben Abend in der Stierkampfarena der Mannschaft der Matadoren nach altem Ritual in einem Todeskampf zu stellen. Der Kampf endet für den Stier meistens tödlich. Die Einnahmen aus den Eintrittskarten der Arena und dem Verkauf des Stierfleisches kommt karitativen Zwecken zugute.

Die Sanfermines bieten beinahe rund um die Uhr ein reichhaltig kulturelles Angebot für die ganze Familie. Nach dem Encierro gibt es Umzüge mit "Cabezudos" (Großköpfe) und "Reyes y Reinas", das sind ca. vier Meter große Riesenfiguren, die dem alten Leitbild des Mittelalters, den Königen von Europa, Afrika, Amerika und Asien entsprechen sollen. Am 7. Juli, dem Namenstag des Stadtpatrons San Fermín, der Bischof von Amiens war, gibt es am Vormittag einen farbenprächtigen Umzug durch die Altstadt. Hierbei tragen Geistliche und Mitglieder von religiösen Gruppierungen u.a. das Votivbild des Hl. Fermín durch die Straßen, das von Musikgruppen und der weltlichen Prominenz begleitet wird. Abends finden vielerlei Veranstaltungen, Konzerte und jeden Abend ein illustres, pittoreskes Feuerwerk statt, das in der Zitadelle von Pamplona gezündet wird.


Tomatina (Tomaten werfen)

Die Tomatina ist ein Fest, das jedes Jahr am Mittwoch der letzten Augustwoche in Buñol (ca. 10.000 Einwohner) in der spanischen Region Valencia stattfindet.

Bei dem Fest, zu dem Tausende (ca. 45.000 in den Jahren 2010 und 2011) aus aller Welt herbeiströmen, werden überreife Tomaten in einer harmlosen Schlacht durch die Straßen geworfen. Die bereits überreifen Tomaten werden tonnenweise von LKW in die Straßen von Buñol gekippt, so dass nach der Schlacht regelrechte Flüsse aus Tomatensaft durch die Straßen laufen. Die Besucher sind meist keine Spanier, sondern kommen als Touristen von allen Kontinenten dieser Erde, aus Europa, Amerika oder Australien.

Das Zentrum der Schlacht ist die Plaza del Pueblo, auf der zu Beginn gegen 10 Uhr das sogenannte Schinkenstürmen stattfindet. Dabei wird versucht, einen etwa 7 Meter hohen, eingewachsten Baumstamm hinaufzuklettern, um an den Schinken (spanisch jamón) zu gelangen.

Die eigentliche Schlacht startet um Punkt 11 Uhr mittags und endet eine Stunde später. Danach ist das Werfen von Tomaten nicht mehr zulässig, dies wird auch als Ehrenkodex eingehalten. Um schwerere Blessuren zu verhindern, ist es nach dem Reglement vorgeschrieben, die Tomaten vor dem Werfen in der Hand zu zerdrücken. Zudem sind die Lieferanten angewiesen, nur überreife Früchte bereitzustellen. Nach der Schlacht gibt es hilfsbereite Anwohner, die die Touristen per Gartenschlauch von Tomatenstücken befreien oder auch mobile Duschen am Bahnhof. Weiter gilt, dass alle Mitstreiter es als Kodex betrachten, nach der Schlacht beim Säubern der Straßen zu helfen.

Die Tomatina fand erstmals in den 1940er Jahren statt. Die Tomatenschlacht wurde einfach zum Spaß erfunden; sie hat weder einen religiösen noch einen politischen Hintergrund. Genaues weiß aber angeblich niemand mehr. Eine Version besagt beispielsweise, dass Passanten einen Straßenmusiker mit Tomaten bewarfen und dieser prompt reagierte, indem er die Tomaten zurück warf. Eine andere Version bezieht sich auf einen Nachbarschaftsstreit. Es kursiert auch eine Variante, nach der es bei einer Anti-Franco-Demonstration zur ersten Schlacht kam, was wiederum den nichtpolitischen Hintergrund widerlegen würde. Weiter wird berichtet, dass Anwohner während einer Prozession zu Ehren des Stadtvaters in ein Handgemenge gerieten.

Die Tomatina des Jahres 2004 wurde in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. 38.000 Personen hatten sich eine Stunde lang gegenseitig mit 125.000 Kilogramm Tomaten beworfen.

In den Jahren 2005 und 2011 fand die Tomatina in Buñol am 31. August statt. Seit 2004 hat der Ort Sutamarchán in Kolumbien eine eigene Version der Tomatina.


Correfoc

Ein ganz besonderer Festtag in Katalonien ist Correfoc, die „Nacht der Feuerteufel“. Wem Qualm, Feuerregen und ein riesiger Lärm nichts ausmacht, der sollte sich dieses Spektakel auf keinen Fall entgehen lassen. So stehen die meisten Touristen staunend bei diesem Fest da, da sie solch eine Ausgelassenheit und Intensität von deutschen Festen nicht gewohnt sind. Sie sind fasziniert von einem solch mitreißenden Fest.

Die Szenerie beim Correfoc bestimmen tanzende Teufel mit Mistgabeln, Feuerregen und feuerspuckende Bestien. Die Menschenmassen, welche das Correfoc besuchen, werden einfach in das Festtagsspektakel mit eingebunden. So bewegen sie die Massen voller Energie einem zentralen Platz entgegen, wo das Treiben aus Qualm, Gestank und Feuer seinen Höhepunkt erreichen wird. Kurz vor der Ankunft entzündet jemand die Feuerwerksstrippen, welche quer über die Plaza gespannt wurden. Und so ergießt sich eine Funkenflut auf die Köpfe der Besucher. Dabei erscheint der Platz wie der Eingang zur tobenden, Feuer speienden Hölle. Einmal im Jahr ist dieser atemberaubende Wahnsinn in Katalonien normal und zieht tausende von Besuchern in seinen Bann.

Die Correfoc Nacht ist jedoch nur ein Höhepunkt der Festa Major, welche mehrere Tage andauert. Die größten Veranstaltungen bietet natürlich Barcelona und so kommt man bestimmt nicht vor dem nächsten Morgen in sein Bett. Und so erwartet den Besucher zur Festa Major ein buntes Programm, welches selbstverständlich im Freien stattfindet. Es werden Bühnen aufgebaut, auf denen Konzerte jeglicher Art stattfinden, denn die Musikszene Kataloniens bietet ein Feuerwerk an Abwechslung.


Flamenco

Flamenco ist die Bezeichnung für eine Gruppe von Liedern und Tänzen aus Andalusien. Er gilt als traditionelle spanische Musik, geht jedoch auf Einflüsse unterschiedlicher Kulturen zurück. Die musikalische Praxis besteht aus Gesang (cante), Instrumentalspiel (toque), insbesondere dem Spiel der Gitarre (guitarra flamenca) und Tanz (baile). Charakteristisch für die Musik des Flamenco sind seine metrischen Grundmuster (compás) sowie die häufige Verwendung modaler Wendungen in Melodik und Harmonik. Seit 2010 gehört der Flamenco zum immateriellen Welterbe der Menschheit.

In der spanischen Sprache bezeichnet flamenco neben dem musikalischen Genre auch einen Flamingo, einen Andalusier mit Roma-Wurzeln, die flämische Sprache sowie einen Flamen.

Erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es schriftliche Belege für die Verwendung des Wortes flamenco als Bezeichnung für ein musikalisches Genre und seine Interpreten. Zur Herkunft dieser Bedeutung gibt es zahlreiche Hypothesen, von denen jedoch keine bestätigt werden konnte:

Der Begriff Flamenco rühre von dem seinen Interpreten eigenen Manierismus und dessen Ähnlichkeit mit den Bewegungen des Flamingos her.

Es handele sich um eine phonetisch korrupte Form des hispano-arabischen Ausdrucks fellah mengu, das „landloser Bauer“ bedeutet und auf maurischen Ursprung zurückzuführen ist. Diese Theorie stammt von Blas Infante, einem der Begründer des andalusischen Nationalismus. Sie ist aus sprachwissenschaftlicher Sicht abzulehnen.

Immigranten aus dem mittleren Norden Europas wurden in Spanien flamencos (Flamen) genannt, so auch die ersten Roma und infolgedessen die Musik, die sie aufführten.

Der Ursprung des Wortes liege in den Tänzen, die zu den Krönungsfeierlichkeiten des Königs Karl I. von Spanien getanzt wurden. Da dieser König aus Flandern kam, begleitete man sie mit dem Schrei ¡Báilale al flamenco! (ungefähr: „Tanzt zu Ehren des Flamen!“).